Smartphone mit Ride-Hailing-App neben Autoschlüssel und Gewerbeschein – Symbolbild Mietwagenkonzession Uber

Mietwagenkonzession, Uber & Fachkunde – was Mietwagenunternehmer wissen müssen

📖 Lesezeit: ca. 11 Minuten | Stand: März 2026 | Autor: Mehmet Uzun, Kraftverkehrsmeister (IHK) | IHK-Seminartrainer | verkehrsleiter-eu-lizenz-seminare.de

Mietwagenkonzession, Uber & Fachkunde – was Mietwagenunternehmer wissen müssen

Du fährst für Uber, FreeNow oder Bolt – oder planst, als Mietwagenunternehmer in diesen Markt einzusteigen? Dann brauchst du eine Mietwagenkonzession. Und die bekommst du nur, wenn du die Fachkundeprüfung für den Taxi- und Mietwagenverkehr bestehst.

Viele Fahrer auf App-Plattformen wissen nicht, dass sie rechtlich im Mietwagenverkehr unterwegs sind – einem Bereich mit eigenen Regeln, die sich in zentralen Punkten vom Taxiverkehr unterscheiden. Wer diese Unterschiede nicht kennt, riskiert Bußgelder, den Verlust der Konzession und Probleme in der IHK-Prüfung, wo die Abgrenzung Taxi/Mietwagen eines der beliebtesten Prüfungsthemen ist.

In diesem Artikel erkläre ich die rechtlichen Unterschiede zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr, was die Mietwagenkonzession konkret erfordert und warum die Fachkundeprüfung auch für Uber-Fahrer Pflicht ist.

Inhaltsverzeichnis

1. Taxi vs. Mietwagen: Die rechtlichen Unterschiede

2. Uber, FreeNow & Co. – rechtliche Einordnung

3. Die Rückkehrpflicht: Was sie bedeutet und was sich geändert hat

4. Mietwagenkonzession beantragen: Voraussetzungen

5. Warum die Fachkundeprüfung auch für Uber-Fahrer Pflicht ist

6. Taxi vs. Mietwagen in der Prüfung

7. PBefG-Novelle 2021: Was hat sich geändert?

8. Fazit

9. Häufige Fragen (FAQ)

Taxi vs. Mietwagen: Die rechtlichen Unterschiede

Taxiverkehr und Mietwagenverkehr sind beides Formen des Gelegenheitsverkehrs nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) – aber sie unterliegen völlig unterschiedlichen Regeln. Diese Abgrenzung ist nicht nur für die Prüfung relevant, sondern bestimmt deinen gesamten Geschäftsalltag.

Merkmal Taxiverkehr (§ 47 PBefG) Mietwagenverkehr (§ 49 PBefG)
Beförderungspflicht Ja – Taxi muss Fahrgäste im Pflichtfahrgebiet befördern Nein – Mietwagenunternehmer kann Aufträge ablehnen
Betriebspflicht Ja – Taxi muss zu bestimmten Zeiten betriebsbereit sein Nein – keine Pflicht, zu bestimmten Zeiten zu fahren
Tarifpflicht Ja – behördlich festgelegter Taxitarif Nein – Preise werden frei vereinbart (z. B. über App)
Rückkehrpflicht Nein – Taxi darf am Taxenstand warten Ja – Mietwagen muss nach Auftrag zum Betriebssitz zurückkehren
Auftragsannahme Am Taxenstand, per Handzeichen (Winken), telefonisch, per App Nur am Betriebssitz, in der Wohnung des Unternehmers oder fernmündlich/per App
Fahrzeugkennzeichnung Dachzeichen, Taxameter, elfenbeinfarbene Lackierung (je nach Kommune) Kein Dachzeichen, kein Taxameter (stattdessen Wegstreckenzähler)
Fachkundeprüfung Identisch – eine Prüfung nach PBZugV für beide Verkehrsformen

💡 Der wichtigste Unterschied für Uber-Fahrer: Als Mietwagenunternehmer hast du keine Beförderungspflicht (du kannst Aufträge ablehnen), aber dafür eine Rückkehrpflicht (nach jedem Auftrag zurück zum Betriebssitz – es sei denn, ein neuer Auftrag kommt unterwegs rein). Das Taxi hat es genau umgekehrt. Diese Abgrenzung kommt in fast jeder IHK-Prüfung vor.

Uber, FreeNow & Co. – rechtliche Einordnung

Plattformen wie Uber, FreeNow, Bolt oder SIXT ride sind keine Verkehrsunternehmer – sie sind Vermittler. Die Beförderung selbst wird von konzessionierten Mietwagen- oder Taxiunternehmen durchgeführt. Das hat konkrete Konsequenzen:

Akteur Rolle Konzession nötig?
Uber, FreeNow, Bolt Vermittlungsplattform – vermittelt Beförderungsaufträge Nein (aber Vermittlerlizenz erforderlich)
Mietwagenunternehmer Führt die Beförderung durch – ist der Vertragspartner des Fahrgasts Ja – Mietwagenkonzession nach § 49 PBefG
Angestellter Fahrer Fährt im Auftrag des Unternehmers Nein (aber P-Schein erforderlich)

Das bedeutet: Wenn du als selbstständiger Mietwagenunternehmer für Uber fahren willst, brauchst du eine eigene Konzession – und dafür die Fachkundeprüfung. Wenn du als angestellter Fahrer für ein bereits konzessioniertes Unternehmen fährst, brauchst du die Prüfung nicht – wohl aber einen Personenbeförderungsschein (P-Schein).

Wer braucht die Fachkundeprüfung?

Die Fachkundeprüfung braucht der Unternehmer (oder die für die Geschäftsführung bestellte Person) – nicht jeder einzelne Fahrer. In der Praxis heißt das: Wenn du ein Mietwagenunternehmen gründen willst, um über Uber oder FreeNow zu fahren, musst du die Prüfung selbst ablegen. Wenn du als Fahrer für jemand anderen fährst, reicht der P-Schein.

Die Rückkehrpflicht: Was sie bedeutet und was sich geändert hat

Die Rückkehrpflicht ist eine der meistdiskutierten Vorschriften im Mietwagenverkehr – und eines der beliebtesten Prüfungsthemen. Nach § 49 Abs. 4 PBefG muss der Mietwagen nach Ausführung eines Beförderungsauftrags unverzüglich zum Betriebssitz zurückkehren, es sei denn, er hat vor oder während der Fahrt einen neuen Auftrag erhalten.

Situation Erlaubt?
Auftrag über App erhalten, Fahrgast befördert, danach zum Betriebssitz zurückgefahren ✅ Regelfall
Während der Rückfahrt neuen Auftrag über App erhalten, direkt zum nächsten Fahrgast ✅ Erlaubt (fernmündlicher Auftrag)
Nach Auftrag auf einem öffentlichen Parkplatz warten, bis neuer Auftrag kommt ❌ Verstoß gegen Rückkehrpflicht
Fahrgast auf der Straße ansprechen oder heranwinken lassen ❌ Nur Taxen dürfen Fahrgäste am Straßenrand aufnehmen

Die Rückkehrpflicht wird in der Praxis kontrolliert – insbesondere in Städten, in denen die Konkurrenz zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr politisch diskutiert wird. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden und im schlimmsten Fall zum Widerruf der Konzession führen.

PBefG-Novelle 2021 und die Rückkehrpflicht

Mit der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes 2021 wurde die Rückkehrpflicht grundsätzlich beibehalten, aber die Kommunen haben die Möglichkeit erhalten, die Regeln zu lockern oder zu verschärfen. Manche Kommunen können Abstellorte festlegen, an denen Mietwagen zwischen Aufträgen warten dürfen, ohne zum Betriebssitz zurückkehren zu müssen. Die konkreten Regelungen variieren daher regional – informiere dich bei deiner zuständigen Konzessionsbehörde.

Mietwagenkonzession beantragen: Voraussetzungen

Die Mietwagenkonzession wird bei der zuständigen Verkehrsbehörde (in der Regel das Ordnungsamt oder die Straßenverkehrsbehörde) beantragt. Vier Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

Voraussetzung Nachweis
1. Fachliche Eignung Fachkundebescheinigung der IHK (nach bestandener Prüfung)
2. Persönliche Zuverlässigkeit Führungszeugnis, Auszug Gewerbezentralregister, Auszug Fahreignungsregister
3. Finanzielle Leistungsfähigkeit Eigenkapitalnachweis: 2.250 € (1. Fahrzeug) + 1.250 € (jedes weitere) + Unbedenklichkeitsbescheinigungen
4. Ordnungsgemäßer Betriebssitz Gewerbeanmeldung + Nachweis eines Betriebssitzes in Deutschland (Mietvertrag oder Eigentum)

Anders als im Taxiverkehr gibt es für Mietwagen in den meisten Kommunen keine Kontingentierung – die Anzahl der Mietwagenkonzessionen ist also nicht begrenzt. Im Taxiverkehr dagegen wird die Anzahl der Taxilizenzen oft durch die Kommune gesteuert, was zu langen Wartelisten führen kann.

Die Konzessionsgebühr für einen Mietwagen liegt typischerweise bei 60 € für das erste Fahrzeug und 30 € für jedes weitere. Eine vollständige Übersicht der Gründungskosten und -schritte findest du im Artikel Taxi- oder Mietwagenunternehmen gründen.

Warum die Fachkundeprüfung auch für Uber-Fahrer Pflicht ist

Eine Frage, die in unseren Seminaren regelmäßig kommt: „Ich will doch nur über Uber fahren – brauche ich wirklich die Fachkundeprüfung?" Die Antwort ist eindeutig: Ja, wenn du selbstständiger Unternehmer sein willst.

Die Fachkundeprüfung nach PBZugV ist die Voraussetzung für die Konzessionserteilung – unabhängig davon, ob du deine Aufträge über eine App, telefonisch oder am Flughafen erhältst. Ohne Fachkundebescheinigung keine Konzession, ohne Konzession kein legaler Mietwagenverkehr.

Es gibt keine vereinfachte Prüfung für App-basierte Mietwagenunternehmer. Die Prüfung ist identisch mit der Prüfung für Taxiunternehmer – sie deckt sowohl Taxi- als auch Mietwagenspezifische Themen ab. Den Aufbau der Prüfung und alle Sachgebiete findest du im Überblicksartikel IHK Fachkundeprüfung Taxi & Mietwagen.

Alternativ zur Prüfung akzeptiert die PBZugV eine mindestens dreijährige leitende Tätigkeit in einem Taxi- oder Mietwagenunternehmen als Nachweis der fachlichen Eignung. Für die meisten Quereinsteiger – und das sind die meisten Uber-Gründer – ist die IHK-Prüfung aber der schnellste Weg. Die Vorbereitung dauert je nach Vorwissen 2 bis 8 Wochen, wie im Artikel Lernplan IHK Fachkundeprüfung beschrieben.

Taxi vs. Mietwagen in der Prüfung

Die Abgrenzung zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr ist eines der am häufigsten geprüften Themen. Typische Prüfungsfragen:

Typische Fragestellung Themenbereich
„Welche Pflicht gilt nur für den Taxiverkehr, nicht für den Mietwagenverkehr?" Beförderungspflicht, Betriebspflicht, Tarifpflicht
„Muss ein Mietwagen nach Ausführung eines Auftrags zum Betriebssitz zurückkehren?" Rückkehrpflicht (§ 49 Abs. 4 PBefG)
„Welche Ausstattung ist nach BOKraft für ein Taxi, nicht aber für einen Mietwagen vorgeschrieben?" Taxameter, Dachzeichen
„Darf ein Mietwagen Fahrgäste an der Straße aufnehmen?" Auftragsannahme – nur Taxi darf per Handzeichen aufnehmen

Wer aus dem Mietwagenbereich kommt und für Uber fährt, hat hier einen Vorteil: Die Unterschiede sind Bestandteil deines Alltags. Aber Vorsicht – in der Prüfung wird präzise Kenntnis der Gesetzesgrundlagen (§ 47 vs. § 49 PBefG, BOKraft) erwartet, nicht nur Praxiserfahrung. Konkrete Beispielfragen findest du im Artikel IHK Prüfungsfragen Taxi & Mietwagen.

PBefG-Novelle 2021: Was hat sich geändert?

Die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes im Jahr 2021 hat den Mietwagenmarkt in mehreren Punkten verändert:

Änderung Bedeutung für Mietwagenunternehmer
Neue Verkehrsform: „gebündelter Bedarfsverkehr" Neben Taxi und Mietwagen gibt es jetzt auch Pooling-Angebote (z. B. MOIA) als eigene Kategorie
Kommunale Steuerungsmöglichkeiten Kommunen können Mindestpreise für Mietwagen und Wartezeiten vor Auftragsannahme festlegen
Rückkehrpflicht grundsätzlich erhalten Aber Kommunen können Abstellorte genehmigen, an denen Mietwagen warten dürfen
Vorbestellfrist aufgehoben Mietwagen dürfen Aufträge sofort annehmen – keine Mindest-Vorbestellzeit mehr nötig

💡 Prüfungsrelevanz der Novelle: Die PBefG-Novelle 2021 und ihre Auswirkungen auf den Mietwagenverkehr können Gegenstand der Prüfung sein. Lerne vor allem: gebündelter Bedarfsverkehr als neue Kategorie, kommunale Steuerungsmöglichkeiten und die Beibehaltung der Rückkehrpflicht mit der Möglichkeit kommunaler Lockerungen. Einen vertieften Überblick über das Personenbeförderungsrecht gibt der Artikel Personenbeförderungsrecht (PBefG) für Taxi & Mietwagen.

Fachkundeprüfung bestehen – auch als Uber-Unternehmer

Der Digitale Prüfungstrainer enthält die Abgrenzung Taxi/Mietwagen als eigenen Schwerpunkt – mit MC-Fragen zu Rückkehrpflicht, Beförderungspflicht, BOKraft und Konzessionsrecht. Im Präsenzseminar besprechen wir die Prüfungsfallen, die speziell Mietwagenunternehmer betreffen.

👉 Jetzt Digitalen Prüfungstrainer starten

👉 Präsenzseminar Taxi & Mietwagen – Termine & Standorte

Fazit

Ob du für Uber, FreeNow oder auf eigene Faust fährst – als selbstständiger Mietwagenunternehmer brauchst du eine Konzession, und die Fachkundeprüfung ist der erste Schritt dorthin. Die Prüfung ist identisch mit der für Taxiunternehmer und deckt sowohl Taxi- als auch Mietwagenspezifische Themen ab.

Die wichtigsten Punkte für Mietwagenunternehmer: Du hast keine Beförderungspflicht, aber eine Rückkehrpflicht. Du brauchst keinen Taxitarif, aber eine eigene Konzession mit Eigenkapitalnachweis (2.250 € erstes Fahrzeug, 1.250 € jedes weitere). Und die Abgrenzung Taxi/Mietwagen ist eines der beliebtesten Prüfungsthemen – wer die Unterschiede sicher beherrscht, hat in der Prüfung einen klaren Vorteil.


Häufige Fragen zur Mietwagenkonzession

Brauche ich als Uber-Fahrer eine Fachkundeprüfung?

Nur wenn du selbstständiger Unternehmer bist, der die Konzession selbst hält. Wenn du als angestellter Fahrer für ein konzessioniertes Mietwagenunternehmen fährst, brauchst du die Fachkundeprüfung nicht – wohl aber einen Personenbeförderungsschein (P-Schein).

Ist die Prüfung für Mietwagen einfacher als für Taxi?

Es gibt nur eine Prüfung – sie deckt beide Verkehrsformen ab. Es gibt keine separate oder vereinfachte Prüfung für Mietwagenunternehmer. Sowohl Taxi- als auch Mietwagenspezifische Themen werden geprüft.

Gibt es eine Begrenzung der Mietwagenkonzessionen?

In den meisten Kommunen nicht – anders als bei Taxilizenzen. Die PBefG-Novelle 2021 hat allerdings den Kommunen erweiterte Steuerungsmöglichkeiten gegeben, sodass einzelne Städte theoretisch Beschränkungen einführen könnten. In der Praxis ist der Mietwagenmarkt derzeit in den meisten Städten offen.

Was ist der Unterschied zwischen Mietwagenkonzession und Taxilizenz?

Beide sind Genehmigungen nach PBefG, aber für unterschiedliche Verkehrsformen mit unterschiedlichen Pflichten. Der Hauptunterschied: Die Taxilizenz bringt Beförderungs- und Betriebspflicht mit sich, die Mietwagenkonzession die Rückkehrpflicht. Die Fachkundeprüfung ist für beide identisch.

Was kostet eine Mietwagenkonzession?

Die Konzessionsgebühr selbst liegt typischerweise bei 60–150 € für das erste Fahrzeug. Dazu kommen die Kosten für die Fachkundeprüfung, den Eigenkapitalnachweis (2.250 €), Führungszeugnis, Unbedenklichkeitsbescheinigungen und die Gewerbeanmeldung. Eine vollständige Kostenübersicht findest du im Artikel Kosten & Gebühren.

Zurück zum Ratgeber