IHK-Prüfungsfragen Taxi & Mietwagen – Fragetypen, Beispiele & Lösungslogik
Von Mehmet Uzun, Kraftverkehrsmeister (IHK) · Stand: 29. Juni 2026
Die IHK-Prüfungsfragen für Taxi und Mietwagen sind identisch — es gibt nur eine Fachkundeprüfung nach der PBZugV. Geprüft wird an einem Tag schriftlich in zwei Teilen: Teil 1 mit 35 Fragen (Multiple Choice und offene Fragen, 60 Minuten, 60 % Gewicht), Teil 2 mit 15 Fachfragen plus einer Fahrzeugkostenrechnung (60 Minuten, 40 %). Einen offiziellen IHK-Fragenkatalog gibt es nicht; die Fragen orientieren sich am DIHK-Orientierungsrahmen und an der Anlage 3 der PBZugV.
Prüfungsstruktur im Überblick
Die Fachkundeprüfung für den Taxi- und Mietwagenverkehr besteht aus insgesamt 50 Fragen plus einer Fahrzeugkostenrechnung — verteilt auf zwei schriftliche Teile, die an einem Tag mit einer Pause dazwischen abgelegt werden. Die Prüfung ist für Taxi und Mietwagen vollständig identisch; eine eigene, leichtere Prüfung für Mietwagenunternehmer gibt es nicht.
| Prüfungsteil | Inhalt | Dauer | Gewichtung |
|---|---|---|---|
| Teil 1 | 35 Fragen (Multiple Choice + offene Fragen) | 60 Minuten | 60 % |
| Teil 2 | 15 Fachfragen + 1 Fahrzeugkostenrechnung | 60 Minuten | 40 % |
Jeder Teil muss mindestens 50 % der Punkte erreichen. Wer in beiden Teilen über 70 % erzielt, hat direkt bestanden und muss nicht in die mündliche Prüfung. Liegt mindestens ein Teil zwischen 50 % und 70 % (bei mindestens 50 % in beiden), folgt eine mündliche Ergänzungsprüfung von rund 30 Minuten; dann zählt das schriftliche Ergebnis zu 75 % und die mündliche Prüfung zu 25 %. Fällt ein Teil unter 50 %, gilt die gesamte Prüfung als nicht bestanden.
Wichtig: Es gibt keinen offiziellen, veröffentlichten IHK-Fragenkatalog. Niemand kann die genauen Prüfungsfragen vorab kennen. Die Fragen orientieren sich am DIHK-Orientierungsrahmen und an der Anlage 3 der PBZugV — wer diese Sachgebiete beherrscht, ist auf jede Formulierung vorbereitet. Vorsicht bei Anbietern, die einen „kompletten Fragenkatalog“ versprechen.
Multiple-Choice-Fragen – Strategie & Beispiele
Multiple-Choice-Fragen prüfen abgegrenztes Faktenwissen — typischerweise die Unterscheidung zwischen Taxi- und Mietwagenverkehr oder einzelne Pflichten nach PBefG und BOKraft. Zwei echte Beispiele zeigen, worauf es ankommt:
Beispiel 1 — Wissensfrage (PBefG): „Welche Pflicht gilt für den Taxiverkehr, nicht aber für den Mietwagenverkehr?“ a) Beförderungspflicht, b) Betriebspflicht, c) Versicherungspflicht, d) Gewerbeanmeldungspflicht.
Richtige Antwort: a) Beförderungspflicht. Die Beförderungspflicht gilt nur für den Taxiverkehr — ein Taxi muss jeden zumutbaren Beförderungsauftrag annehmen. Mietwagenunternehmer können Aufträge dagegen ablehnen.
Beispiel 2 — Abgrenzungsfrage (BOKraft): „Welche Ausstattung ist nach BOKraft für ein Taxi vorgeschrieben, für einen Mietwagen jedoch nicht?“ a) Feuerlöscher, b) Taxameter, c) Erste-Hilfe-Kasten, d) Warndreieck.
Richtige Antwort: b) Taxameter. Der Fahrpreisanzeiger (Taxameter) ist nach BOKraft nur für Taxen vorgeschrieben, nicht für Mietwagen. Mietwagen verwenden stattdessen einen Wegstreckenzähler.
Lösungsstrategie für Multiple-Choice-Fragen: Lesen Sie immer alle Antwortmöglichkeiten, bevor Sie ankreuzen. Achten Sie auf Signalwörter wie „immer“, „nie“ oder „ausschließlich“ — solche Absolutaussagen sind häufig falsch. Bei Unsicherheit hilft das Ausschlussverfahren: Streichen Sie offensichtlich falsche Optionen und entscheiden Sie zwischen den verbleibenden.
Offene Fragen – worauf die IHK achtet
Offene Fragen verlangen eine eigene Formulierung statt eines Kreuzes. Hier zählt Präzision: Die IHK erwartet die korrekten Fachbegriffe aus den Rechtsquellen. Zwei typische Beispiele:
Beispiel 3 — Arbeitsrecht: „Nennen Sie drei Pflichtangaben, die ein Arbeitsvertrag für einen angestellten Fahrer nach dem Nachweisgesetz enthalten muss.“
- Beginn des Arbeitsverhältnisses
- Arbeitsort (oder Hinweis auf wechselnde Einsatzorte)
- Zusammensetzung und Höhe des Arbeitsentgelts
Bewertungshinweis: Je präziser die Formulierung, desto sicherer die volle Punktzahl. Vage Umschreibungen kosten Punkte.
Beispiel 4 — Steuerrecht: „Erklären Sie den Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Vorsteuer im Taxi- und Mietwagengewerbe.“ Erwartete Antwort (sinngemäß): Die Umsatzsteuer wird auf die erbrachten Beförderungsleistungen erhoben und an das Finanzamt abgeführt. Die Vorsteuer ist die Umsatzsteuer, die das Unternehmen selbst auf eingekaufte Waren und Dienstleistungen — etwa Kraftstoff, Fahrzeugteile oder Versicherungen — gezahlt hat. Im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung wird die Vorsteuer mit der vereinnahmten Umsatzsteuer verrechnet.
Lösungsstrategie für offene Fragen: Schreiben Sie kurz, präzise und strukturiert. Nummerieren Sie Ihre Antworten, wenn nach mehreren Punkten gefragt ist. Verwenden Sie die Fachbegriffe und Rechtsquellen (PBefG, BOKraft, PBZugV) — „Versicherung“ genügt nicht, wenn die Haftpflichtversicherung gemeint ist.
Die Fahrzeugkostenrechnung – Aufbau & Beispiel
Die Fahrzeugkostenrechnung in Teil 2 ist der größte Einzelposten der Prüfung und verkehrsträgerübergreifend der häufigste Durchfallgrund. Sie verlangt die vollständige Kalkulation der Betriebskosten eines Taxis oder Mietwagens, sauber getrennt nach festen (zeitabhängigen) und beweglichen (laufleistungsabhängigen) Kosten:
| Kostenblock | Typische Positionen | Ergebnis |
|---|---|---|
| Feste Kosten (zeitabhängig) | Abschreibung, Kfz-Steuer, Versicherung, Garagenmiete, kalkulatorischer Unternehmerlohn, kalkulatorische Zinsen | € pro Jahr → € pro Einsatztag |
| Bewegliche Kosten (laufleistungsabhängig) | Kraftstoff, Öl/Schmierstoffe, Reifen, Reparaturrücklagen | ct pro km |
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt die Logik. Ausgangsdaten: Anschaffungspreis 35.000 € netto, Nutzungsdauer 5 Jahre, Restwert 5.000 €, Jahresfahrleistung 60.000 km, 250 Einsatztage pro Jahr.
Feste Kosten (Auszug): Abschreibung (35.000 − 5.000) ÷ 5 = 6.000 €/Jahr; Kfz-Versicherung 2.400 €/Jahr; Kfz-Steuer 200 €/Jahr; Garagenmiete 1.200 €/Jahr. Feste Kosten gesamt (Auszug): 9.800 €/Jahr ÷ 250 Tage = 39,20 €/Tag.
Bewegliche Kosten (Auszug): Kraftstoff 8 l/100 km × 1,65 €/l = 13,20 ct/km; Reifen 2,50 ct/km; Reparaturen 3,00 ct/km. Bewegliche Kosten gesamt (Auszug): 18,70 ct/km.
Dies ist ein bewusst vereinfachtes Beispiel. Die vollständige Prüfungsaufgabe enthält weitere Positionen — kalkulatorischer Unternehmerlohn, kalkulatorische Zinsen, Öl und Schmierstoffe — sowie einen Zuschlag für das Unternehmerrisiko. Die häufigsten Fehler sind keine Rechen-, sondern Strukturfehler: vergessene Positionen oder vertauschte feste und bewegliche Kosten.
Welche Sachgebiete kommen besonders häufig vor?
Nicht alle Sachgebiete sind gleich gewichtet. Die folgende Übersicht zeigt, wo der Lernschwerpunkt liegen sollte:
| Sachgebiet | Häufigkeit | Typische Fragen |
|---|---|---|
| PBefG / Konzessionsrecht | Sehr hoch | Taxi vs. Mietwagen, Beförderungs-/Betriebspflicht, Rückkehrpflicht, Konzessionserteilung |
| BOKraft | Hoch | Fahrzeugausstattung, Taxameter, Aushangpflichten, technische Vorschriften |
| Kaufmännische Führung / Steuern | Hoch | Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Buchführungspflichten, Fahrzeugkostenrechnung |
| Arbeits- und Sozialrecht | Mittel | Arbeitsverträge, Kündigungsschutz, Arbeitszeitgesetz, Sozialversicherung |
| Straßenverkehrsrecht | Mittel | StVO, StVZO, Fahrerlaubnis, Verkehrssicherheit |
| Technischer Betrieb / Umweltschutz | Gering | Fahrzeugtechnik, Wartung, Umweltzonen, Abgasnormen |
Investieren Sie den größten Teil Ihrer Lernzeit in PBefG und BOKraft sowie in die kaufmännischen Themen rund um die Fahrzeugkostenrechnung — dort liegt das meiste Punktepotenzial.
Typische Prüfungsfallen
Einige Themen werden regelmäßig falsch beantwortet, weil eine verbreitete Alltagsannahme nicht der Rechtslage entspricht. Diese Fallen kennen Sie am besten vorab:
| Falle | Falsche Annahme | Richtig |
|---|---|---|
| Rückkehrpflicht | „Gilt für Taxen und Mietwagen“ | Gilt nur für Mietwagen (§ 49 Abs. 4 PBefG) — Taxen haben stattdessen die Bereithaltungs-/Betriebspflicht |
| Beförderungspflicht | „Gilt für alle Personenbeförderer“ | Gilt nur im Taxiverkehr — Mietwagenunternehmer können Aufträge ablehnen |
| Tarifpflicht | „Uber-Fahrer unterliegen dem Taxitarif“ | Der Mietwagenverkehr hat keine Tarifbindung — Preise werden frei vereinbart |
| Fachkundeprüfung | „Es gibt eine eigene, leichtere Prüfung für Mietwagen“ | Identische Prüfung für Taxi und Mietwagen nach PBZugV |
| Feste vs. bewegliche Kosten | „Kraftstoff ist ein fester Kostenpunkt“ | Kraftstoff ist eine bewegliche (laufleistungsabhängige) Kostenposition |
| Taxameter vs. Wegstreckenzähler | „Beides ist dasselbe“ | Das Taxameter ist nur im Taxi vorgeschrieben; Mietwagen nutzen einen Wegstreckenzähler |
Besondere Warnung: Die Abgrenzung zwischen Taxiverkehr (§ 47 PBefG) und Mietwagenverkehr (§ 49 PBefG) ist eines der beliebtesten Prüfungsthemen. Wer Beförderungspflicht, Tarifbindung, Rückkehrpflicht und Bereithaltung sicher zuordnet, holt hier zuverlässig Punkte.
Lösungsstrategie: So gehen Sie die Prüfung an
Ein klares Zeitmanagement entscheidet mit über das Ergebnis. Für Teil 1 (35 Fragen, 60 Minuten) hat sich ein Vorgehen in zwei Durchgängen bewährt:
| Phase | Vorgehen | Zeit (ca.) |
|---|---|---|
| 1. Durchgang | Alle sicheren Fragen beantworten, unsichere markieren | 35–40 Min. |
| 2. Durchgang | Markierte Fragen bearbeiten, Ausschlussverfahren bei Multiple Choice | 15–20 Min. |
| Kontrolle | Alle Fragen beantwortet? Keine leeren Felder? | 5 Min. |
Für Teil 2 (15 Fragen + Fahrzeugkostenrechnung, 60 Minuten) gilt eine andere Reihenfolge: Rechnen Sie die Kostenrechnung zuerst, solange Sie frisch und konzentriert sind.
| Phase | Vorgehen | Zeit (ca.) |
|---|---|---|
| Kostenrechnung zuerst | Sauber und strukturiert rechnen, jeden Schritt dokumentieren | 25–30 Min. |
| Fachfragen | 15 Fragen in der verbleibenden Zeit bearbeiten | 25–30 Min. |
| Kontrolle | Rechnung nochmals auf Folgefehler prüfen | 5 Min. |
Kernregel: Die Kostenrechnung zuerst, solange Sie frisch sind. Ein Rechenfehler am Ende der 60 Minuten unter Zeitdruck ist das häufigste Scheiterns-Szenario in Teil 2. Erlaubtes Hilfsmittel ist ein nicht programmierbarer, nicht kommunikationsfähiger Taschenrechner.
Fazit
Die IHK-Prüfung Taxi und Mietwagen testet drei Dinge: Fachwissen (Multiple-Choice-Fragen), Ausdrucksfähigkeit (offene Fragen) und Rechenkompetenz (Fahrzeugkostenrechnung). Wer die Sachgebiete nach Gewichtung lernt, die typischen Fallen kennt und die Kostenrechnung mehrfach mit wechselnden Zahlen geübt hat, geht mit deutlich besseren Chancen in den Prüfungstag.
Da Taxi- und Mietwagenprüfung identisch sind, lohnt sich die Vorbereitung doppelt: Mit der bestandenen Fachkunde steht Ihnen sowohl die Taxi- als auch die Mietwagenkonzession offen. Ein strukturiertes Präsenzseminar (bei uns vier Tage, ab 520 €) und ein digitaler Prüfungstrainer, der die reale Prüfungssituation mit wechselnden Zahlensätzen simuliert, sind die wirksamste Kombination.
Häufige Fragen
Sind die Prüfungsfragen für Taxi und Mietwagen identisch?
Ja. Es gibt nur eine Fachkundeprüfung nach der PBZugV, die für beide Verkehrsformen gilt. Die bestandene Prüfung berechtigt sowohl zur Taxi- als auch zur Mietwagenkonzession.
Wie viele Fragen kommen dran und wie ist die Prüfung aufgebaut?
Insgesamt 50 Fragen plus eine Fahrzeugkostenrechnung, verteilt auf zwei schriftliche Teile an einem Tag: Teil 1 mit 35 Fragen (Multiple Choice und offene Fragen, 60 Minuten, 60 % Gewicht) und Teil 2 mit 15 Fachfragen plus Fahrzeugkostenrechnung (60 Minuten, 40 %).
Gibt es einen offiziellen IHK-Fragenkatalog?
Nein. Die IHK veröffentlicht keinen festen Fragenkatalog. Die Prüfungsfragen orientieren sich am DIHK-Orientierungsrahmen und an der Anlage 3 der PBZugV. Wer diese Sachgebiete beherrscht, ist auf jede Formulierung vorbereitet.
Ab welcher Punktzahl ist die Prüfung bestanden und wann entfällt die mündliche Prüfung?
Jeder Teil muss mindestens 50 % erreichen. Wer in beiden Teilen über 70 % erzielt, hat ohne mündliche Prüfung bestanden. Liegt ein Teil zwischen 50 % und 70 %, folgt eine mündliche Ergänzungsprüfung; fällt ein Teil unter 50 %, ist die gesamte Prüfung nicht bestanden.
Wie viele Punkte bringt die Fahrzeugkostenrechnung?
Die Fahrzeugkostenrechnung ist Teil des zweiten Prüfungsteils, der insgesamt 40 % der Gesamtwertung ausmacht. Innerhalb dieser 40 % hat die Kostenrechnung den größten Einzelanteil — sie ist damit ein zentraler Hebel zum Bestehen.
Kommen in der Prüfung auch Fragen zu Uber und App-Vermittlung vor?
Nicht direkt zu einzelnen Plattformen, aber zur rechtlichen Einordnung des Mietwagenverkehrs — und das schließt die App-Vermittlung ein. Uber, FreeNow und Bolt laufen über die Mietwagenkonzession nach § 49 PBefG.
Ist ein Taschenrechner in der Prüfung erlaubt?
Ja. Für die Fahrzeugkostenrechnung ist ein nicht programmierbarer und nicht kommunikationsfähiger Taschenrechner zugelassen. Programmierbare oder vernetzte Geräte sind nicht erlaubt.
Wie kann ich die Fahrzeugkostenrechnung am besten üben?
Durch Wiederholung mit verschiedenen Zahlensätzen. Die Struktur der Aufgabe ist immer gleich (feste plus bewegliche Kosten plus Unternehmerrisiko), nur die konkreten Zahlen ändern sich. Üben Sie die Rechnung mindestens 5- bis 10-mal mit unterschiedlichen Werten.